Tödliches Drama in Kandel

Mädchen in Supermarkt erstochen: Jetzt steht fest - Tatverdächtiger ist älter

Ein Afghane soll ein deutsches Mädchen in einem Supermarkt in Kandel (Rheinland-Pfalz) umgebracht haben. Jetzt steht fest: Der Tatverdächtige ist älter, als er selbst angab.

Update vom 20.02.2018:

Der im Dezember nach einer tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel festgenommene Verdächtige ist älter, als er selbst angab. Der aus Afghanistan stammende Flüchtling ist laut einem medizinischen Gutachten wahrscheinlich etwa 20 Jahre alt, wie die Staatsanwaltschaft Landau am Dienstag mitteilte. Rechtlich ist er damit allerdings ein Heranwachsender und könnte nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Er selbst hatte angegeben, im Dezember 15 Jahre alt gewesen zu sein. Ausweispapiere besaß er nicht. Die Staatsanwaltschaft beauftragte daraufhin einen Gutachter, sein wahrscheinliches Alter zu bestimmen. Das absolute Mindestalter schätzte der Sachverständige laut Staatsanwaltschaft auf derzeit siebzehneinhalb Jahre. Sein wahrscheinliches Alter liegt demnach bei etwa 20 Jahren. Für das Gutachten wurden unter anderem Hände, Gebiss und Schlüsselbeine des jungen Manns geröntgt.

Das Gutachten lege also nahe, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Heranwachsenden handle, erklärte die Staatsanwaltschaft. Als Jugendlicher gilt vor Gericht, wer zur Tatzeit 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Ein Heranwachsender ist 18 Jahre, aber noch nicht 21 Jahre alt. In diesem Fall wird Jugendstrafrecht angewendet werden, wenn der Heranwachsende in seiner Entwicklung zur Tatzeit einem Jugendlichen gleichsteht.

Update vom 29.12.2017:

Nach der tödlichen Messerattacke auf ein 15-jähriges Mädchen in Kandel in Rheinland-Pfalz sind Zweifel am Alter des Tatverdächtigen laut geworden. Nach Behördenangaben ist der Verdächtige ein ebenfalls 15-Jähriger, ein Flüchtling aus Afghanistan. Fragen zur Altersbestimmung in diesem Fall könne nur die Staatsanwaltschaft beantworten, teilte am Freitag das Integrationsministerium in Mainz mit. Eine Sprecherin betonte jedoch: „Es gibt bisher keine verlässliche wissenschaftliche Methode, um das aktuelle Lebensalter eines Menschen festzustellen.“

Die Spannbreite einer ärztlichen Altersfeststellung betrage ein bis zwei Jahre nach oben und unten, erklärte das Ministerium und verwies dabei auf Stellungnahmen des Deutschen Ärztetages. Eine Altersdiagnostik bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen mittels radiologischer Verfahren und einer Genitaluntersuchung werde von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) abgelehnt. Neben ethischen Bedenken sei die wissenschaftliche Beweiskraft fraglich.

Update vom 28.12.2017: Nach den tödlichen Stichen auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel deutet vieles auf eine Beziehungstat. Der ebenfalls 15 Jahre alte Tatverdächtige war der Ex-Freund des Opfers. Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich die jetzt erstochene Jugendliche Anfang Dezember von ihm getrennt, wie die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig am Donnerstag in Ludwigshafen sagte.

Täter wohl Ex-Freund des Opfers 

Die Eltern des Opfers hatten den 15-Jährigen Mitte Dezember wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung angezeigt. Nach Darstellung der Polizei soll er das Mädchen nach Ende der Beziehung über soziale Netzwerke und telefonisch immer wieder bedrängt haben.

Das genaue Motiv ist aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft aber noch unklar. „Wir sind am Anfang der Ermittlungen“, sagte Oberstaatsanwältin Möhlig. Im Raum stehe eine Beziehungstat, dies müssten aber noch die weiteren Ermittlungen klären.

Haftbefehl gegen den 15-Jährigen erlangt

Gegen den 15-Jährigen erging Haftbefehl wegen Totschlags, die Ermittler wollen auch prüfen, ob Mord als Vorwurf infrage kommt. Für das Strafmaß macht dies keinen Unterschied. Die Höchststrafe liegt in beiden Fällen im Jugendstrafrecht bei zehn Jahren. Das Messer hat der Jugendliche nach bisherigen Ermittlungen in den Markt mitgebracht. Er hat sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu der Tat geäußert.

Täter ist minderjähriger unbegleiteter Flüchtling

Der Täter ist neuesten Erkenntnissen zufolge im April 2016 als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling in Hessen eingereist, wie bild.de berichtet. Im Dezember soll sich das getötete Mädchen von dem 15-Jährigen getrennt haben. Am Mittwoch habe der Afghane die gleichaltrige Deutsche zufällig getroffen, danach sei er ihr zu dem Drogerie-Markt gefolgt. Allerdings habe er auf sozialen Netzwerken schon vorher angedroht, dass er seine Ex-Freundin „abpassen“ wolle. Die Eltern des Mädchens sollen dem Nachrichtenportal zufolge bereits zwei Wochen vor dem Angriff Anzeige wegen Nötigung, Beleidigung und Bedrohung gegen den Teenager erstattet haben. Nach der Anzeige sei der Jugendliche einer Vorladung der Polizei mehrfach nicht gefolgt. Daraufhin hätten Polizisten ihm am Tattag die Vorladung am Vormittag persönlich ausgehändigt.

In dem Drogeriemarkt habe der Täter das Mädchen mit mehreren Messerstichen getötet. Der Geschäftsführer von dm sagte gegenüber Bild: „Ich möchte der Familie unser tiefstes Mitgefühl aussprechen. Wir sind zutiefst traurig.“

Zeugen erinnern sich

Kunden hätten den 15-Jährigen nach der Tat festgehalten bis die Polizei kam. Die 31 Jahre alte Diana Jäger war in der Nähe, als sich die Tat ereignete: „Ich habe Schreie gehört und den Streit“, berichtet die mitgenommen wirkende Frau. Sie habe in der weitläufigen Filiale am Ortsrand gerade Fotos ausdrucken wollen.

Zeugin Diana Jäger erinnert sich, dass sie zusammen mit anderen Marktbesuchern in Richtung der Kosmetikabteilung gelaufen sei. Das Mädchen habe da bereits am Boden gelegen, umringt von anderen Jugendlichen. Jemand habe den Namen der Verletzten gerufen, Rufe wie „Bleib da!“ und „Bleib wach!“ seien zu hören gewesen. Die Tatwaffe sei ein Brotmesser gewesen, erzählt die 31-Jährige. Zu den Hintergründen des Streits und zur Tatwaffe halten sich die Ermittler aber zunächst ebenfalls bedeckt.
Das Mädchen wurde noch ins Krankenhaus gebracht, wo ihr die Ärzte aber nicht mehr helfen konnten.

Am Tag nach der Tat war der Drogeriemarkt wieder geöffnet, vor dem Geschäft erinnern Blumen und Kerzen an die schreckliche Tat.

Das war die Erstmeldung

Kandel - Nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel wird der tatverdächtige Jugendliche an diesem Donnerstag einem Richter vorgeführt. Das Gericht entscheidet dann über einen Haftbefehl wegen eines Tötungsdelikts. Über den Auslöser des Streits und den Tathergang in einem Drogeriemarkt in Kandel (Kreis Germersheim) gab es am Donnerstagmorgen keine neuen Informationen, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Man müsse abwarten, was die Staatsanwaltschaft sagt.

Der 15-jährige Afghane konnte durch Passanten überwältigt und durch die Polizei festgenommen werden.

Der Afghane soll das gleichaltrige deutsche Mädchen am Mittwoch gegen 15.20 Uhr umgebracht haben. Dem Angriff sei ein Streit zwischen den Teenagern in einem Drogeriemarkt vorausgegangen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Es gibt einen neuen Verdacht zu den Hintergründen: Nach Informationen von ludwigshafen24.de* gehen die Ermittler von einer Beziehungstat aus. 

Eine Kellnerin aus Kandel sagte zu bild.de „Ich war total geschockt, als ich mit dem Auto gegen 15.40 Uhr an dem Drogeriemarkt vorbeigefahren bin. Da war schon alles voller Polizeiautos, Rettungssanitätern. Ein Notarztauto stand auch da. Alles hat sich in dem Geschäft abgespielt.“

dpa/Video: Glomex

*Ludwigshafen24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

Rubriklistenbild: © dpa

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