„Licht-Nahrung“ führt zu Todesopfern

Tödliche Esoterik: Warum sich Menschen nur von Licht ernähren

  • Karolin Schäfer
    vonKarolin Schäfer
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Licht statt Nahrung? Das Esoterik-Konzept „Licht-Nahrung“ hat weltweit viele Anhänger. Allerdings forderte die gefährliche Methode bereits mehrere Todesopfer.

  • Eine esoterische Gruppe verfolgt die Idee „Licht statt Nahrung“.
  • Expertinnen und Experten warnen davor.
  • Trotz der Kritik werden weiterhin Seminare angeboten.

Kassel – Licht statt Nahrung? Finn Bogumil aus Hamburg glaubte an das Konzept der sogenannten Licht-Nahrung und war Anhänger einer esoterischen Gruppe, die weltweit Mitglieder hat. Die Idee dahinter: Es soll möglich sein, sich nur von Licht zu ernähren – ohne Essen und Trinken. Diese Lebensweise endete für Bogumil allerdings tödlich, wie eine Dokumentation von „strg_f“ aufzeigt. Er wurde nur 22 Jahre alt.

Die Bewegung der Licht-Nahrung gibt es demnach bereits seit mehr als 20 Jahren. Dazu werden sogar Kongresse mit tausenden Teilnehmern veranstaltet. Eine Veranstalterin verkauft dabei für satte 222 Euro eine Audio-Anleitung „Der sanfte Weg zur Lichtnahrung“. Erst im Juni gab es für mehrere Tage ein teures Seminar in Südtirol zum „Lichtfasten“. Die Gebühren dafür lagen bei mindestens 390 Euro. Laut Veranstaltungskalender der Website ist auch im kommenden Jahr ein Seminar geplant.

Leben von Licht? Experten warnen vor dieser esoterischen Art der „Ernährung“. (Symbolbild)

Licht statt Nahrung als extreme Diät bei jungen Frauen beliebt

Auf der Website werben die Veranstalter, dass Nahrung durch Licht den Körper „neu programmiert“ und man dadurch Gewicht verlieren könne. Zusätzlich weisen sie darauf hin, dass „Lichtfasten nicht für jeden möglich“ ist. Ein Arzt aus dem Ruhrgebiet erklärt gegenüber hna.de, dass vor allem junge Frauen mit Essstörungen von der extremen Diät überzeugt seien. Auch Videos auf YouTube preisen die Methode an, werden tausendfach geklickt und locken so Interessierte an.

Finn Bogumil bricht im Oktober 2016 zu seiner letzten Reise auf die karibische Insel Dominica auf. Er schien glücklich und gelöst zu sein, berichtete seine Mutter. In einem Brief schrieb er: „Ich glaube an die Lichtnahrung. Die Fähigkeit, ohne physische Nahrung gesünder, besser und energetischer zu leben. Nach dem Prinzip ‚Geist über Materie‘.“

Licht statt Nahrung? Junger Mann stirbt durch Fasten

Allerdings kehrt Bogumil von seiner Reise nicht zurück. Im November 2017 wird der junge Mann leblos mitten im Dschungel gefunden, wie „ndr.de“ berichtete. Der Grund? Der obersten Staatsanwältin von Dominica zufolge sei das Fasten die vermeintliche Todesursache gewesen. Doch Bogumil war nicht das erste Todesopfer im Zusammenhang mit der kuriosen Methode. Wie „hna.de“ berichtet, starben bereits ein halbes Dutzend Menschen an den Konsequenzen der Licht-Nahrung.

Auch eine Instagram-Bloggerin aus den USA verfolgt die Lebensweise „Licht statt Nahrung“. Bei einer Fastenkur sei sie angeblich 97 Tage ohne Lebensmittel ausgekommen. Sie habe sich nur durch Sonnenlicht und Smoothies ernährt. Dadurch habe sie etwas Gewicht verloren und neue Lebensqualität erlangt. Dabei wollen Anhänger nach eigenen Angaben in erster Linie Lebenskraft schöpfen, sich weiter entwickeln und emotionalen Ballast verbannen.

Licht-Nahrung: Film inspiriert Nachahmer

Vor allem der Film „Am Anfang war das Licht“ (2010) soll die Licht-Nahrung bekannt gemacht haben. In der Dokumentation sprechen verschiedene Menschen, die behaupten, seit Jahren nichts mehr gegessen zu haben. Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht. Der Regisseur des Films warne allerdings vor den Gefahren der Esoterik-Methode, so „strg_f“. Eine Frau aus der Schweiz starb ebenfalls an den Folgen der Licht-Nahrung. Auch sie wurde durch den Film inspiriert.

Überleben durch Licht: Experten warnen vor gefährlicher Methode

„Die Lichtnahrung ist eine gefährliche esoterische Ernährungsform“, erklärt Sabine Riede von der Beratungsstelle „Sekteninfo NRW“. Die Methode sei besonders gefährlich, denn beim Verzicht auf Nahrung steigt bereits am dritten Tag das Risiko eines tödlichen Flüssigkeitsverlusts, so Riede.

Eine Studie der Universität Bern im Jahr 2008 widerlegte die Behauptungen eines Anhängers. In einem Zeitraum von zehn Tagen begleiteten Wissenschaftler Michael Werner. Er nahm in dieser Zeit nur Flüssigkeiten zu sich. Das Ergebnis: Werner verlor innerhalb der zehn Tage deutlich an Gewicht und Leistungsfähigkeit. Die Behauptung, dass er sich nur von Licht ernähre, könne demnach nicht stimmen. (Von Karolin Schaefer)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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