Es drohen 10 Jahre Haft

Rapperin Schwesta Ewa vor Gericht: „Ich hatte meine Ausraster“

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Ewa Malanda, bekannt als Rapperin Schwesta Ewa steht in Frankfurt am Main vor Gericht.

Rapperin Schwesta Ewa hat weibliche Fans geschlagen. Vorwürfe der Zuhälterei weist die 32-Jährige im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt am Main von sich. 

Frankfurt am Main - Ewa Malanda, bekannt als Rapperin Schwesta Ewa steht in Frankfurt am Main vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft der 32-Jährigen Zuhälterei, Menschenhandel, Körperverletzung und Steuerhinterziehung vor. Opfer sollen vier teilweise noch minderjährige Fans der Sängerin gewesen sein.

Teenager zur Prostitution gezwungen

Sie habe die 17- bis 19-Jährigen bewusst emotional und finanziell abhängig sowie „durch psychischen Druck und wiederholte körperliche Misshandlungen gefügig“ gemacht.

Das sagt Schwesta Ewa zu den Vorwürfen

Am ersten Verhandlungstag räumte die Angeklagte ein, die jungen Frauen geschlagen zu haben. Der Prostitution seien sie aber aus freien Stücken nachgegangen, um in kurzer Zeit möglichst viel Geld für Luxusartikel zusammenzubekommen, behauptete die Angeklagte. Der Erlös sei nach dem Abzug aller Spesen gleichmäßig verteilt worden.

„Ich bin mit 17 Jahren Prostituierte geworden“

Die 32-Jährige spricht im Saal 1 des Gebäudes E über ein Thema, das sie in- und auswendig kennt: Sex gegen Geld. „Ich bin mit 17 Jahren Prostituierte geworden“, sagt sie. „Bis vor fünf Jahren, als ich Musikerin wurde.“ Ihre Zeit als Prostituierte streift die in Polen geborene Schwesta Ewa nur kurz.

Schnell kommt sie zu den Vorwürfen der Anklage. Die will sie so nicht stehen lassen. „Die Mädchen haben wegen der Prostitution von sich aus mich gefragt, die wussten ja davon.“ Sie selbst habe damit sofort aufgehört, als sie mit dem Rappen angefangen habe. „Ich wollte nicht, dass meine Brüder auf mich als Prostituierte mit dem Finger zeigen.“

“Es floss aber kein Blut“

Auch von roher Gewalt will sie nichts wissen: „Es gab Ohrfeigen, aber nichts mit Platzwunden und blauem Auge.“ Sie hätte sonst mit den Mädchen gar nicht arbeiten können. „Ich hatte meine Ausraster“, gesteht Schwesta Ewa ein, „es floss aber kein Blut“, stellt sie klar. Wenn eine Prostituierte das anders schildere, „dann ist es extrem frech von ihr, so etwas zu behaupten“.

So lief das Geschäft

Dann erzählt sie, wie das Geschäft lief: „Pro Freier war zwischen 100 und 200 Euro alles drin.“ Die jungen Frauen hätten oft Schulden bei ihr gehabt. Sie habe Geld vorgestreckt für Handys, Klamotten und Haarverlängerung. „Wir hatten uns oft ausgerechnet, wie viel in einer bestimmten Zeit gearbeitet werden muss, um aus den Schulden herauszukommen.“ Die Frauen hätten sich in Hotels eingemietet - in mehreren Städten Deutschlands.

Oft sei ein Freier nach dem anderen gekommen. „Ich habe die Mädels oft gehetzt. Die haben meine Arbeitsweise nicht gekannt“, erzählt die 32-Jährige. „Für ein Mädchen habe ich mal 18 Handys gehabt.“ Die Kunden hätten dann gedacht, es würden 18 verschiedene Frauen angeboten, aber es sei nur eine gewesen.

Der Vorsitzende Richter Martin Bach will von Schwesta Ewa wissen, ob sie sich nicht Gedanken gemacht habe. Prostitution mit 17 Jahren? „Für mich war das irgendwie normal“, sagt die Sängerin. Ob sie Prostitution verharmlose, fragt Bach. „Teils so, teils so“, lautet die Antwort. 

Die Rapperin und Produzentin sitzt seit dem 16. November 2016 in Untersuchungshaft. Sie wurde „im Zuge einer bundesweiten Durchsuchungsaktion“ festgenommen. Es sind noch drei weitere Verhandlungstermine bis 20. Juni angesetzt.

Prozess gegen Gangsta-Rapperin Schwesta Ewa.

Joachim Baier, dpa /ml

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