6700 Tonnen Munition

Vor 70 Jahren bebte Helgoland

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Mit 6700 Tonnen Munition wollten Britische Truppen die Nordseeinsel Helgoland (Schleswig-Holstein) vor 70 Jahren zerstören.

Helgoland - Mit 6700 Tonnen Munition wollten Britische Truppen die Nordseeinsel Helgoland (Schleswig-Holstein) vor 70 Jahren zerstören. Es war die weltweit größte nicht-atomare Sprengung.

Der Rauchpilz über Helgoland stieg damals fast 1500 Meter hoch in den Himmel, Teile des markanten roten Sandsteins stürzten in die Nordsee. Die Felseninsel „überlebte“ jedoch diese gigantische Sprengung vor 70 Jahren, denn der relativ weiche Buntsandstein der Insel absorbierte einen Großteil der Sprengwirkung. 

„Selbst im mehr als 100 Kilometer entfernten Hamburg gab es noch Warnungen wegen der britischen Militäroperation „Big Bang““, sagte am Dienstag Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furthmeier.

„Operation Big Bang“

6700 Tonnen Munition und Sprengstoff detonierten und schlugen bis heute unheilbare Wunden in die Topographie von Deutschlands einziger Hochseeinsel. Es ging um die Zerstörung der 1945 weitgehend unbeschädigt gebliebenen U-Boot-Bunker sowie der weit verzweigten 15 Kilometer langen Festungsanlagen.

Die Dimension der in der Weltgeschichte bislang größten nicht atomaren Sprengungsaktion ist nur schwer vorstellbar: Die US-Streitkräfte warfen Anfang April ihre größte Bombe GBU-43 über Afghanistan ab - sie hat mehr als 8000 Kilogramm Sprengstoff und elf Tonnen TNT-Äquivalent. Rein rechnerisch hätte es 609 solch moderner Monster-Bomben gebraucht, um eine Zerstörungskraft wie am 18. April 1947 auf Helgoland zu erreichen.

Für die „Operation Big Bang“ stapelten die Briten viertausend Torpedosprengköpfe, neuntausend Wasserbomben und neunzigtausend Granaten in das vom deutschen Militär geschaffene Tunnellabyrinth Helgolands. Per Fernzünder lösten die Briten die Sprengung aus.

Dabei wurden nicht nur die militärischen Anlagen vernichtet. Im Süden wurde ein Teil der Steilküste aus Buntsandstein mitgerissen. Geröllmassen bedeckten einen Teil des Unterlandes: Das oberhalb des Hafens liegende Mittelland war entstanden.

Ein Krater erinnert an den erfolglosen Versuch der Briten, die Insel Helgoland am 18. April 1947 in die Luft zu sprengen.

„Die immer noch verbreitete Ansicht, die Briten hätten Helgoland komplett zerstören und in der Nordsee verschwinden lassen wollen, ist definitiv falsch“, sagte Fuhrtmeier. „Ich habe mir den militärischen Befehl extra nochmal durchgelesen, da steht ausdrücklich drin, die Insel „auf Dauer wehruntauglich“ zu machen.“

Helgoland liegt militärstrategisch günstig in der Deutschen Bucht. Im Zweiten Weltkrieg sollte die kleine Insel als deutsche Militärbasis massiv ausgebaut werden, was aber nicht in dem Maße geschah.

Zum Zeitpunkt der Sprengung war Helgoland schon seit zwei Jahren nicht mehr bewohnt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, ebenfalls am 18. April (1945), legten fast 1000 britische Bomber sämtliche Gebäude in Schutt und Asche. In Bunkeranlagen konnten die 2500 Bewohner überleben, das Eiland wurde aber Tage später geräumt.

Jahrelang nutzte die britische Luftwaffe nach Ende des Zweiten Weltkriegs Helgoland als Übungsplatz für ihre Bomber. Erst 1952 durften die über ganz Norddeutschland verstreuten Helgoländer auf ihre Insel zurück. Heute leben knapp 1500 Menschen dort. „Die Helgoländer haben ein viel intensiveres, tiefer gehendes Heimatgefühl als andere“, sagte Furthmeier.

„Die Ungewissheit, ob sie überhaupt und wann sie zurückkehren könnten, haben die Gefühlswelt der Menschen geprägt.“ Hinzu kämen die sichtbaren Veränderungen der Insel durch Bomben und Sprengungen - „etwa Bombenkrater, die manche Touristen heute nutzen, um windgeschützt ein Glas Wein zu genießen.“

Von Matthias Hoenig, dpa

Die Hochseeinsel Helgoland. 


Helgoland - Deutschlands Fels in der Nordsee

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Sie liegt rund 70 Kilometer vom Festland entfernt in der Deutschen Bucht. Die rund ein Quadratkilometer große Hauptinsel aus rotem Buntsandstein ragt bis zu 61 Meter aus der Nordsee. Daneben liegt eine rund zwei Drittel so große Düne mit Badestränden, die 1720 bei einer Sturmflut abgetrennt wurde. 

Die Insel ist wegen ihrer Lage und Natur ein beliebtes Ausflugsziel. Knapp 360.000 Gäste kamen 2016. Zu den Attraktionen zählen etwa Seehunde und Kegelrobben sowie zahlreiche Zugvögel. Für die rund 1400 Einwohner ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle.

dpa

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