"Zukunft wird immer knapper"

Grüne kritisieren "illusionären" Wohlstand auf Pump

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Bettler in Stuttgart. Die Grünen kritisieren, das BIP zeige nicht, wie sich die Einkommens- und Lebensverhältnisse in Deutschland unterschieden. Foto: Lino Mirgeler

Berlin (dpa) - Deutschlands Wohlstand steht aus Sicht der Grünen auf wackeligen Füßen. Die Nachhaltigkeitsziele würden in vielen Bereichen klar verfehlt, heißt es im "Jahreswohlstandsbericht 2019", den die Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin vorstellte.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae kritisierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maßstab für den Wohlstand im Land. "Die Gleichung "Wachstum gleich Wohlstand" geht nicht mehr auf", sagte sie. "Wir haben einen illusionären Wohlstand."

Das BIP gibt den Wert aller Güter und Dienstleistungen an, die in einem Jahr in einem Land erwirtschaftet werden. Andreae kritisierte, es zeige nicht, wie sich die Einkommens- und Lebensverhältnisse unterschieden, ob es gute Bildung gebe oder wie hoch der ökologische Fußabdruck sei. "All diese Faktoren haben sich nicht verbessert. Wenn wir so weitermachen, steht unser Wohlstand auf dem Spiel." Zuerst hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

Leichte Verbesserungen etwa bei Ressourcenverbrauch, Artenvielfalt oder Einkommensverteilung reichen dem Grünen-Bericht zufolge noch lange nicht aus. Eine Ressource werde knapp, "die bislang nicht in ausreichendem Maße im öffentlichen Bewusstsein und auch nicht auf der politischen Agenda angekommen ist", schreiben die Autoren, "nämlich die Zeit". Ihr Fazit: "Die Zukunft wird immer knapper."

In ihrem Wohlstandsbericht betrachten die Grünen neben dem BIP weitere Merkmale der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Verfasst haben den diesjährigen Bericht Roland Zieschank von der Freien Universität Berlin und Hans Diefenbacher von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg.

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