Auch zwei Mitarbeiter nun in Haft

Urteil gegen Nawalny nun bestätigt: Sein Anwalt reagiert mit kämpferischer Ansage - „wir gehen überall hin“

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
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Alexej Nawalny hat aus seiner Haft heraus zu neuen Protesten aufgerufen. Kurz zuvor hatte ein Gericht in einer kurzfristig angesetzten Verhandlung das Urteil gegen ihn bestätigt.

  • In Russland protestieren Menschen landesweit gegen die Inhaftierung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny (siehe Erstmeldung).
  • Der Oppositionelle rief nun seine Anhänger auf, am kommenden Sonntag erneut auf den Straße zu demonstrieren (siehe Update vom 28. Januar, 19.55 Uhr).
  • Ein Gericht bestätigte kurz zuvor das Urteil gegen Nawalny - sein Anwalt kündigte rechtliche Schritte an (siehe Update vom 28.Januar, 14.20 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 28. Januar, 19.55 Uhr: Aus der Haft heraus hat Kremlkritiker Alexej Nawalny zu neuen Protesten in Russland aufgerufen. „Geht hinaus und fürchtet Euch nicht“, schrieb der Oppositionelle in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Aufruf. „Niemand möchte in einem Land leben, in dem Willkür und Korruption herrschen. Wir haben die Mehrheit auf unserer Seite.“ Die Kundgebungen sollen nach Angaben von Nawalnys Helfern am Sonntag stattfinden.

Protestaufrufe werden in Russland immer wieder bestraft. Eine Genehmigung für Demonstrationen gibt es wegen der Corona-Pandemie* nicht mehr. Nawalny war vergangene Woche kurz nach seiner Rückkehr aus Deutschland in einem Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte. Ihm drohen viele Jahre Gefängnis und mehrere Prozesse.

Urteil gegen Nawalny nun bestätigt: Sein Anwalt reagiert mit kämpferischer Ansage

Update vom 28. Januar, 14.20 Uhr: Ein russisches Gericht hat die 30-tägige Haftstrafe von Kremlkritiker Alexej Nawalny bestätigt. Nawalnys Anwälte scheiterten am Donnerstag vor einem Gericht bei Moskau mit ihrem Versuch, die Freilassung des Oppositionellen zu erwirken, wie eine Liveübertragung aus dem Gerichtssaal zeigte. Nawalny, der per Video aus dem Untersuchungsgefängnis zugeschaltet war, kritisierte die russische Justiz scharf. Das Urteil des Gerichts in der vergangenen Woche sei „das lächerlichste Dokument der Welt“.

Nawalnys Team kündigte an, nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen zu wollen. „Wir gehen in Berufung, wir gehen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wir gehen überall hin“, sagte sein Anwalt Wadim Kobsew nach der Gerichtsentscheidung vor Reportern. Der Strafvollzug will eine frühere Bewährungsstrafe gegen Nawalny in echte Haft umwandeln lassen. Das Verfahren dazu ist am kommenden Dienstag geplant. Nawalny drohen außerdem weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis. Bei russlandweiten Protesten waren am vergangenen Wochenende laut Organisatoren bis zu 300.000 Menschen für die Freilassung des Oppositionellen auf die Straßen gegangen. Die Demos sollen am Sonntag weitergehen.

Alexej Nawalnys Bruder: Razzien gegen Familie und Mitarbeiter des Kreml-Kritikers

Update vom 28. Januar, 11.50 Uhr: Vor einer Gerichtsentscheidung über die Haftstrafe des Kremlkritikers Alexej Nawalny sind mehrere seiner Mitarbeiter und Unterstützer festgenommen worden. So wurde etwa Nawalnys Ärztin Anastassija Wassiljewa für 48 Stunden in Gewahrsam genommen, wie sie selbst in der Nacht zum Donnerstag auf Twitter schrieb. Auch Pussy-Riot-Aktivistin Maria Aljochina soll im Zuge einer Razzienwelle gegen Nawalnys Umfeld am Mittwoch festgenommen worden sein. 

Update vom 28. Januar, 8.48 Uhr: Der Bruder des Putin-Kritikers Alexej Nawalny ist festgenommen worden - bei Razzien gegen dessen Angehörige und Mitarbeiter. Oleg Nawalny sei zunächst für 48 Stunden in Gewahrsam, twitterte Nawalny-Mitarbeiter Iwan Schdanow am späten Mittwochabend. Als Grund sei ein Verstoß gegen Corona-Hygieneauflagen, schrieb das Nawalny-Team der AFP zufolge auf Telegram. Zwei weitere Mitarbeiter des Kreml-Oppositionellen seien festgenommen worden.

Maskierte Uniformierte hätten seit dem Nachmittag Büros und Privatwohnungen durchsucht. Nawalnys Bruder war bereits vor Jahren einmal zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Nawalny warf dem Staat damals vor, Oleg als „Geisel“ genommen zu haben, um ihn selbst unter Druck zu setzen. Die jüngste Durchsuchungswelle erfolgte einen Tag, bevor ein Gericht über die 30-tägige Haftstrafe Alexej Nawalnys entscheiden will. Nawalnys Anwälte wollen am Donnerstag im Stadtgericht von Chimki bei Moskau die Freilassung des 44-Jährigen erreichen.

Nawalnys Inhaftierung hatte international Empörung ausgelöst. In Russland demonstrierten am vergangenen Wochenende Angaben der Organisatoren zufolge bis zu 300 000 Menschen für seine Freilassung. Die Proteste sollen an diesem Sonntag weitergehen.

Alexej Nawalny, Oppositionspolitiker und Kremlkritiker, wird von einem Polizeibeamten eskortiert.

Nawalny: Kreml mit kurioser Erklärung für Prachtresidenz - aber eine Frage bleibt offen

Update vom 26. Januar, 17.52 Uhr: Im Fall des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erneut die Freilassung des Kremlgegners gefordert. Dies gelte auch vor die ebenfalls inhaftierten Unterstützer Nawalnys.

„Bilder wie die, die uns aus zahlreichen russischen Städten erreicht haben, stehen in krassem Gegensatz zu den
Verpflichtungen, die Mitglieder des Europarats eingegangen sind“, äußerte sich Maas via Twitter zu den Demonstrationen für eine Freilassung Nawalnys und seiner Unterstützer. „Wir fordern von Russland die sofortige Freilassung der verhafteten Demonstranten und von Alexej Nawalny.“

Gleichzeitig machte sich der deutsche Außenminister am Dienstag bei der Wintersitzung der parlamentarischen Versammlung des Europarats für einen Dialog mit Russland stark. „Ein Abbruch von Brücken ist aus meiner Sicht immer die schlechteste Option“, befand Maas.

Nawalny: Kreml mit kurioser Erklärung für Prachtresidenz

Update vom 26. Januar, 16.13 Uhr: Der Kreml hat eine Woche nach der Veröffentlichung eines viel beachteten Videos durch Alexej Nawalny auf darin enthaltene Vorwürfe reagiert. In dem Video war ein großes Anwesen zu sehen, Nawalny behauptete darin, es gehöre dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kreml erklärte nun Unternehmer zu den Eigentümern: „Der Kreml hat kein Recht, die Namen dieser Eigentümer bekannt zugeben, und wir haben auch nicht vor, das zu tun, das ist einfach nicht korrekt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge.

Das Video hatte mehr als 90 Millionen Aufrufe. Putin hatte bereits am Montag bestritten, dass der Palast ihm oder seinen engsten Verwandten gehöre (siehe Update vom 25. Januar, 15.00 Uhr). Das Grundstück mit dem Palast am Schwarzen Meer ist dem Film zufolge fast 40 Mal so groß wie Monaco und soll bereits mehr als 100 Milliarden Rubel (umgerechnet ca. 1,1 Milliarden Euro) verschlungen haben.

Fragen von Journalisten, warum das riesige Gelände unter dem Schutz des Inlandsgeheimdienstes FSB und des staatlichen Wach- und Sicherheitsdienstes FSO stehe, beantwortete Kremlsprecher Peskow nicht. Ungeachtet der großen Resonanz auf das Enthüllungsvideo bekannte sich bisher niemand zum Palast. Nawalny hatte den Palast als den größten Korruptionsskandal der russischen Geschichte und als einen Staat im Staat bezeichnet.

Alexej Nawalny: Putin attestiert nach Enthüllung „Gehirnwäsche“

Update vom 25. Januar, 15.00 Uhr: Die Anhänger des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny rufen zu weiteren Demonstrationen auf. Wie der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow, heute über Twitter mitteilt, sind für Sonntag weitere landesweite Proteste geplant: „Alle Städte Russlands. Für Nawalnys Freilassung. Für die Freiheit aller. Für die Gerechtigkeit“.

Wie die AFP berichtet, weist Präsident Wladimir Putin Nawalnys Vorwürfe zurück, wonach ihm ein Luxus-Palast an der Schwarzmeer-Küste gehören soll. „Nichts von dem, was hier als mein Besitz aufgeführt wird, gehört mir oder meinen engen Verwandten, und das hat es auch niemals“, ließ der russische Präsident Studenten in einer Video-Konferenz wissen. Laut einem Bericht des Spiegel nannte Putin den Clip auch ein „Ergebnis von Gehirnwäsche“ und „langweilig“.

Polizisten sperren während eines Protestes gegen die Inhaftierung des Oppositionsführers Nawalny eine Straße in Moskau.

Im Rahmen der Proteste gegen die Inhaftierung Nawalnys gerät auch das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 in den Fokus der deutschen Politik. SPD-Fraktionsvize Achim Post hat davor gewarnt, die Debatten um Russlands Vorgehen gegen Alexej Nawalny sowie um die Pipeline Nord Stream 2 miteinander zu vermischen. Post mahnte, dass man Nord Stream 2 als „Alternative zum schmutzigen Fracking-Gas aus den USA“ brauche, wie die dpa berichtet. Gegen eine Fortführung des Projekts spricht sich Grünen-Chefin Annalena Baerbock im ARD-Hauptstadtstudio aus: „Diese Pipeline konterkariert die geostrategischen Interessen der Europäer, ist ganz gezielt gegen die Ukraine gerichtet, sie ist eine Wette gegen die europäischen Klimaziele, konterkariert alle EU-Sanktionen gegenüber Russland und ist damit ein absolut fatales Projekt.

Die EU will unterdessen erst im Februar entscheiden, ob sie wegen der Festnahme Nawalnys weitere Sanktionen gegen Russland verhängt. Es solle zunächst abgewartet werden, was ein für Anfang Februar geplanter Besuch des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell in Moskau erbringe, erfuhr die AFP am Montag von Diplomaten beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Borrell solle dem Kreml „eine klare Botschaft“ überbringen .Beim Treffen der EU-Außenminister plädierten den Angaben zufolge zwar die baltischen Staaten und Polen für umgehende Strafmaßnahmen. Andere Länder wollten aber vorerst noch abwarten. Mögliche Sanktionen müssen einstimmig von den 27 Mitgliedstaaten beschlossen werden.

Nawalny-Proteste: Maas stellt Forderung an Putin - doch die EU könnte weiter zaudern

Update vom 25. Januar, 10.49 Uhr: Mehr als 3500 Festnahmen in über 100 russischen Städten: Das ist die Bilanz, die Bürgerrechtler nach den Demonstrationen in Russland am Samstag ziehen. Die Menschen protestieren für die Freilassung des inhaftierten Oppositionsführers Alexej Nawalny. In Moskau und St. Petersburg prügelten und traten Uniformierte auf Demonstranten ein.

Bundesaußenminister Heiko Maas forderte nun die sofortige Freilassung der am Wochenende festgenommenen Anhänger des Kremlkritikers. „Auch nach der russischen Verfassung hat in Russland jeder das Recht, seine Meinung zu äußern und zu demonstrieren“, sagte der SPD-Politiker am Montag zu Beratungen mit EU-Kollegen in Brüssel. Das Land habe sich zur Einhaltung von rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet. Deshalb erwarte man, dass diejenigen, die friedlich protestiert hätten, unverzüglich wieder freigelassen würden.

Zu möglichen Reaktionen der EU auf das Vorgehen der russischen Behörden gegen Nawalny und dessen Anhänger sagte Maas zunächst nichts. Für eine schnelle und deutliche Reaktion gegen Russland werben vor allem östliche Mitgliedstaaten wie Estland, Litauen und Lettland. Andere sind allerdings zurückhaltender und wollen erst einmal abwarten, ob Nawalny länger in Haft gehalten wird. Eine endgültige Entscheidung über neue Sanktionen wird deswegen noch nicht an diesem Montag erwartet. Das nächste Gerichtsverfahren gegen Nawalny ist für den 2. Februar angesetzt.

Nach den Massenprotesten kritisierten auch Menschenrechtler das teils brutale Vorgehen russischer Sicherheitskräfte. „Immer wieder unterdrücken russische Behörden freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest durch Polizeibrutalität, Gewalt und Massenfestnahmen“, heißt es in einer Mitteilung der Organisation Human Rights Watch vom Montag. „Der 23. Januar war keine Ausnahme.“

Alexej Nawalny: Kreml-Sprecher bemühte sich, die Proteste klein zu reden

Update vom 24. Januar, 16.15 Uhr: Einen Tag nach den Massenprotesten von Anhängern des Kremlkritikers Alexej Nawalny in ganz Russland hat der Kreml von wenigen Menschen auf den Straßen gesprochen. „Jetzt werden viele sagen, dass viele Menschen zu den nicht genehmigten Aktionen gegangen sind“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem russischen Staatsfernsehen. „Nein, es sind wenige Menschen hingegangen. Viele Menschen stimmen für Putin“, sagte Peskow in der Sendung „Moskau.Kreml.Putin“, die am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte.

Peskow kritisierte zudem die US-Botschaft in Moskau, die im Vorfeld der Proteste eine Liste mit Demo-Treffpunkten und Uhrzeiten veröffentlicht hatte. Das sei „eine direkte Unterstützung des Gesetzbruchs“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Der Polizist Ruslan Agibalow zeigte sich in einem Internet-Video solidarisch mit Alexej Nawalny.

Unterdessen ist ein russischer Polizist aus dem Dienst entlassen worden, nachdem er in einem Internetvideo Solidarität mit Nawalny bekundet hatte. Ruslan Agibalow aus der Stadt Kursk rund 450 Kilometer südlich der Hauptstadt Moskau hatte vor den großen landesweiten Nawalny-Protesten am Wochenende den Clip „zur Unterstützung Alexej Nawalnys und aller politisch Gefangenen“ veröffentlicht.

Er habe Angst, dass seine Kinder ihn irgendwann fragen würden: „Papa, was hast du dafür getan, dass wir in einem freien, florierenden Land leben können?“, sagt Agibalow darin unter anderem. „Und ich habe darauf dann keine Antwort.“ Der Polizist bat darum, seine Worte nicht als Aufruf zu den Protesten von Nawalny-Anhängern zu verstehen. Dennoch wurde er wenig später entlassen, wie die Kursker Abteilung des Innenministeriums mitteilte. Der Polizist habe die Ehre seiner Behörde beschmutzt, hieß es als Begründung.

Update vom 24. Januar, 12.45 Uhr: Prominente russische Kulturschaffende, darunter Musiker, Autoren und Schauspieler, haben sich in einem Video mit dem inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny solidarisiert und zu Protesten aufgerufen. Der auch in Deutschland bekannte Schriftsteller Dmitri Gluchowski (Dmitry Glukhovsky) sagte, dass es Momente im Leben gebe, in denen Schweigen fehl am Platz sei. Auch die Musiker von Noize MC, Anacondaz und der international bekannte Regisseur Witali Manski riefen im Clip „Freiheit für Alexej Nawalny!“ dazu auf, nicht gleichgültig zuzuschauen, wenn Menschen politisch verfolgt und grundlos eingesperrt würden.

Video in sozialen Netzwerken sorgt für Entsetzen: Proteste in Russland gegen Nawalny-Inhaftierung

Update vom 24. Januar, 10.50 Uhr: Für Entsetzen sorgte in sozialen Netzwerken ein Video, auf dem zu sehen ist, wie in Polizist in St. Petersburg eine Frau brutal tritt. Medienberichten zufolge erlitt die 54-Jährige ein Schädel-Hirn-Trauma. Sie liege im Krankenhaus und sei nicht bei Bewusstsein. Ermittler kündigten an, den Fall zu prüfen.

Nawalny-Proteste in Russland: Tausende Unterstützer auf den Straßen - Ehefrau Nawalnys wieder frei

Update vom 24. Januar, 8.55 Uhr: Mehr als 3400 Menschen sind bei landesweiten Protesten von Unterstützern des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in Russland festgenommen worden. Zehntausende Menschen folgten am Samstag dem Protestaufruf des Oppositionellen, protestierten gegen Präsident Wladimir Putin und forderten Nawalnys Freilassung. In Moskau und anderen Großstädten ging die Bereitschaftspolizei gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Die EU und die USA kritisierten das harte Vorgehen der Sicherheitsbehörden scharf. Die größten Kundgebungen fanden nach Schätzungen von AFP-Journalisten in Moskau und St. Petersburg mit jeweils rund 20.000 Teilnehmern statt. Die Polizei in Moskau sprach von 4000 Demonstranten, demnach wurden rund 40 Polizisten leicht verletzt.

Auch in rund hundert anderen Städten gingen Unterstützer Nawalnys auf die Straße. Größere Demonstrationen und gewaltsame Festnahmen gab es auch in Wladiwostok und Chabarowsk im Fernen Osten. Kundgebungsteilnehmer riefen „Putin - Dieb!“, „Nawalny - wir sind bei dir!“ und „Freiheit für die politischen Gefangenen!“

Alexej Nawalny: Zehntausende demonstrieren Landesweit für Freilasung des Krem-Kritikers

Update vom 23. Januar, 17.35 Uhr: Julia Nawalnaja, die Ehefrau des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny, wurde am Samstagnachmittag von der Moskauer Polizei wieder freigelassen. Das bestätigen Medienberichte wie auch Quellen, die der Familie Nawalny nahestehen. Nawalnaja wurde am Samstag in Polizeigewahrsam genommen, da sie an einer Demonstration teilnahm, welche die Freilassung ihres Ehemanns forderte.

In ganz Russland sind dabei mehrere zehntausend Menschen auf die Straße gegangen um gegen die Verhaftung Nawalnys und die Politik von Russlands Präsident Wladimir Putin zu demonstrieren. Dabei kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Menschenrechtsorganisation OWD sprach am Samstagabend von mindestens 2131 Festnahmen landesweit. Die Einsätze der Polizei würden jedoch noch andauern.

Alexej Nawalny, der einen Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im vergangenen Jahr nur knapp überlebte, kehrte Anfang Januar nach seiner Behandlung in Deutschland nach Russland zurück. Bei seiner Einreise wurde der 44-Jährige noch am Flughafen festgenommen und befindet sich seit dem in Gewahrsam der Polizei.

Update vom 23. Januar, 14.15 Uhr: Auch Alexej Nawalnys Mutter soll an der Protest-Aktion in Russland beteiligt sein. Das Team des Kreml-Kritikers postete kurz vor Bekanntwerden der Verhaftung Julia Nawalnajas ein Foto von ihr. Nawalny drohen mehrere Strafverfahren und viele Jahre Gefängnis. Die Bürgerrechtsbewegung OWD zählt mittlerweile landesweit mehr als 1000 Festnahmen bei den Protesten. Diese richten sich auch gezielt gegen Wladimir Putin, nachdem das Nawalny-Team kürzlich ein Enthüllungsvideo veröffentlichte, das beweisen soll, dass Putin sich aus Schmiergeldern ein „Zarenreich“ am Schwarzen Meer bauen ließ.

Ehefrau von Alexej Nawalny: Julia Nawalnaja in Moskau festgenommen - Post aus Gefangenenauto

Update vom 23. Januar, 13.50 Uhr: Alexej Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja wurde bei den Protesten für die Freilassung des Kreml-Kritikers verhaftet.  „Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität“, schrieb sie am Samstag zu einem von ihr veröffentlichten Instagram-Post. Die Lichtverhältnisse seien sehr schlecht. Das Foto zeigt sie in einem Gefangenentransporter.

Update vom 23. Januar, 13.20 Uhr: Die russlandweiten Proteste zur Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny haben die Hauptstadt Moskau erreicht. Polizisten nahmen am Samstagnachmittag mehrere Demonstranten fest, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Auch Nawalnys engste Mitarbeiterin, die Juristin Ljubow Sobol, wurde festgenommen. Unter den Tausenden Protestierenden waren viele junge Leute und Angehörige der Mittelschicht. Anders als bei nicht genehmigten Kundgebungen in der Vergangenheit war der zentrale Puschkin-Platz nicht weiträumig abgesperrt. Aktivisten beklagten eine Drosselung des Internets.

„Putin ist ein Dieb“, riefen die Menschen in Moskau - so wie zuvor auch schon in vielen anderen Städten des Landes, in denen die Protestaktionen aufgrund der Zeitverschiebung mehrere Stunden früher stattfanden als in der Hauptstadt. Landesweit zählte die Bürgerrechtsorganisation OWD bis zum Nachmittag 369 Festnahmen. Es gab aber auch Berichte von Sicherheitskräften, die nicht eingriffen, sondern die Menschen marschieren ließen. Die russischen Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen am Samstag. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden.

Proteste in Russland: Menschen demonstrieren gegen die Inhaftierung Alexej Nawalnys

Tausende Menschen demonstrieren in der russischen Metropole St. Petersburg gegen die Verhaftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny.

Erstmeldung vom 23. Januar, 11 Uhr: Moskau - Als der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny nach seinem monatelangen Aufenthalt nach Russland zurückkehrte, wurde er sofort verhaftet. Nun soll er nach einem umstrittenen Eilverfahren eine 30-tägige Gefängnisstrafe absitzen. Doch dagegen formiert sich Widerstand. Innerhalb und außerhalb des Landes. Russland hat sich wegen der Proteste für die Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny* eine Einmischung aus dem Ausland verbeten. Das russische Außenministerium kritisierte in einer Mitteilung die US-Botschaft in Moskau, die mehrere für Samstag geplante Demonstrationen mit genauen Treffpunkten und Uhrzeiten aufgelistet hatte. Unter dem Deckmantel der Sorge um die Sicherheit von US-Bürgern im Ausland wolle Washington die Proteste in Russland anheizen, kritisierte Moskau.

Nawalnys Anhänger haben für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sie fordern die Freilassung des Putin-Gegners, der am Montag in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Nawalny und sein Team sehen das Vorgehen der Justiz politisch motiviert.

Nawalny-Proteste in Russland: Kreml-Kritiker zu Haft verurteilt - bereits 125 Festnahmen bei Gegen-Demos

Bis Samstagmittag Moskauer Zeit zählte die Bürgerrechtsorganisation OWD bereits 125 Festnahmen in Städten, in denen die Proteste aufgrund der Zeitverschiebung bereits mehrere Stunden früher als in der Hauptstadt angesetzt waren. Vielerorts griff die Polizei aber auch nicht ein, wie auf Videos in sozialen Netzwerken zu sehen ist. In der sibirischen Stadt Tomsk, wo Nawalny im August Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok wurde, sollen sich Menschen zur größten nicht genehmigten Demo seit Jahren versammelt haben. Nawalny macht Kremlchef Wladimir Putin* und den Inlandsgeheimdienst FSB für das Attentat verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück.

Nawalnys Unterstützer sprachen von Tausenden Demonstranten auch in Chabarowsk, Irkutsk und Nowosibirsk. Die Menge skandierte „Wir haben die Macht“ und „Putin ist ein Dieb“. Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel „Ein Palast für Putin“ ein viel beachtetes Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein „Zarenreich“ am Schwarzen Meer bauen ließ. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als „Lüge“. Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden. (dpa/AFP/fmü) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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