Demokrat korrupt?

Twitter-Wirbel um geblockten Biden-Artikel: Trump wittert Zensur - und blamiert sich dann öffentlich

Donald Trump, Präsident der USA, spricht während einer Veranstaltun im Rahmen seines Wahlkampfes.
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Die New York Post veröffentlichtete einen umstrittenen Artikel zu Joe Biden und dessen Sohn Hunter. Twitter blockierte den Text und sorgte damit für Ärger.
  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Heftige Vorwürfe an Facebook und vor allem Twitter: Warum blockieren die Internetriesen einen umstrittenen Artikel über die Bidens? Nachdem die Trump-Seite von Zensur spricht, tritt der Präsident öffentlich ins Fettnäpfchen.

Washington - Eigentlich liebt Donald Trump sie, doch nun kriselt die Beziehung. Die Rede ist von Sozialen Medien. Der US-Präsident* ist verärgert über das Verhalten von Facebook und insbesondere Twitter, nachdem sie am Mittwoch Verlinkungen zu einem umstrittenen Zeitungsartikel über Präsidentschaftskandidat Joe Biden und dessen Sohn blockiert hatten. Umgehend wittert die Trump-Seite Zensur und ging auf die Barrikaden. Hat die Kontroverse Einfluss auf die US-Wahl?

US-Wahl 2020: Umstrittener Bericht - Wirbel um Joe und Hunter Biden

Konkret geht es um einen Bericht der New York Post, nach dem die Boulevardzeitung Zugriff auf einen Computer erlangt haben will, der von Joe Bidens Sohn Hunter benutzt worden sei. Unter anderem geht es um E-Mails, die belegen sollen, dass Hunter versucht habe, Profit aus dem Amt seines Vaters als US-Vizepräsident zu schlagen.

Hunter Biden ist ein einflussreicher Rechtsanwalt, Geschäftsmann und Wirtschaftslobbyist, der einige Zeit in der Ukraine arbeitete und sich dort durch unlautere Methoden bereichert haben soll. So zumindest die Spekulationen in den USA. Konkrete Beweise gibt es dafür nicht. Auch die Authentizität der Mails ist nicht bestätigt. Auffällig ist jedoch, dass der 50-Jährige von einem umstrittenen ukrainischen Gasunternehmen rund 45.000 Euro Monatsgehalt bekommen haben soll ohne großartige Erfahrungen in der Branche vorweisen zu können. Dem NYP-Bericht zufolge gebe es nun Hinweise auf ein Treffen Joe Bidens mit einem ukrainischen Geschäftspartner seines Sohnes im Jahr 2015. Für Trump Grund genug, wieder auf Abteilung Attacke zu schalten.

Joe Biden bei einer Veranstaltung im Jahr 2009. Neben ihm stehen seine beiden Söhne Hunter (l.) und der mittlerweile verstorbene Beau.

US-Wahl 2020: Trump kontra Biden - „es gibt nichts Schlimmeres als einen korrupten Politiker“

Trump wirft seinem Widersacher seit längerem vor, Hunter vor der ukrainischen Justiz schützen zu wollen. In einem im Juli 2019 geführten Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj habe Trump darauf gedrängt, gegen die Bidens wegen Korruptionsvorwürfen zu ermitteln, damit er wiederum Vorteile bei der US-Wahl erlangt. Im Gegenzug könnte Trump der Ukraine millionenschwere Militärhilfen versprochen haben. Auch das ist nur Spekulation. Das Gespräch gilt als Ausgangspunkt der Ukraine-Affäre und dem daraus resultierenden Impeachment-Verfahren.

18 Tage vor der US-Wahl sieht es derweil nicht gerade rosig aus für Donald Trump. Biden liegt aktuellen Umfrage zufolge bereits satte zehn Prozentpunkte in Front. Der Republikaner ist also gefordert - und versucht nun offenbar, seinen Herausforderer zu diffamieren. Der Bericht der New York Post sei „erst der Anfang für sie (Joe und Hunter Biden, d. Red.). Es gibt nichts Schlimmeres als einen korrupten Politiker“, schrieb Trump auf Twitter. Beweise für seine Vorwürfe lieferte der 74-Jährige nicht. Das Thema nahm in den USA dennoch an Fahrt auf - dank Facebook und insbesondere Twitter.

US-Wahl 2020: Trump-Sprecherin wird deutlich - „Zensur sollte verurteilt werden“

Facebook schränkte nach eigenen Angaben die Verbreitung des Artikels ein, Twitter blockierte Links zu dem besagten Artikel. Das Unternehmen begründete das zunächst mit einem Verstoß gegen Regeln für durch Hacking erbeutete Inhalte. Später verwies das Unternehmen darauf, dass in dem Bericht abgebildete Mails unverschleierte E-Mail-Adressen enthielten. Das Vorgehen sorgte für große Kritik bei den Republikanern*. Am Freitag erklärte Twitter dann, durch Hacking erbeuteten Inhalte künftig nur noch in den Fällen zu sperren, wenn sie direkt von den Hackern veröffentlicht würden.

Twitter hatte bereits 2018 Regeln gegen die Verbreitung von Material aus Hacker-Attacken eingeführt, auch als Reaktion auf die Veröffentlichung von mutmaßlich von russischen Angreifern gestohlenen E-Mails der Demokratischen Partei* im Endspurt des US-Wahlkampfs 2016.

Ein Sprecher von Bidens Wahlkampfteam dementierte derweil gegenüber„Politico“, dass es ein solches Treffen je gegeben habe. Biden habe stets gesagt, er habe sich mit seinem Sohn nicht über dessen Geschäftsaktivitäten unterhalten. Trump scheint in der Angelegenheit dennoch ein gefundenes Fressen im Wahlkampf zu sehen. Unterstützung erhielt er beispielsweise von seiner Sprecherin Kayleigh McEnany. Sie warf Twitter vor, ihr privates Profil blockiert zu haben, nachdem sie ebenfalls entsprechende Links geteilt hatte. Auf ihrem offiziellen Regierungsaccount schrieb die 32-Jährige: „Zensur sollte verurteilt werden!“ Trump selbst bezeichnete das Vorgehen der beiden Internetriesen als „schrecklich.“

US-Wahl 2020: Donald Trump fällt auf Satire-Artikel rein und verbreitet ihn

Einen Tag nach der Kontroverse sorgte dann wiederum Trump für Aufsehen. Der Präsident saß am Freitag einem Satire-Artikel auf, wonach Twitter komplett abgeschaltet wurde, um die Verbreitung des Biden-Berichts zu stoppen. „Wow, das gab es noch nie in der Geschichte“, kommentierte Trump in einem Tweet.

Trump verlinkte einem Bericht der Satire-Website „Babylon Bee“, der den kurzzeitigen Twitter-Ausfall in der Nacht zum Freitag behandelte. Dort hieß es unter anderem, Twitter-Chef Jack Dorsey habe versucht, die Server mit einem Vorschlaghammer zu demolieren. Der „Babylon Bee“ lieferte Trump unterdessen Stoff für den nächsten Artikel. „Präsident Trump erklärt die „Babylon Bee“ zu seiner vertrauenswürdigsten Nachrichtenquelle“, verkündete die Website am Freitag. Der Artikel erfreute sich in den USA großer Beliebtheit und wurde binnen kürzester Zeit mit mehr als 60.000 „Gefällt-mir“-Angaben markiert. Nur mal so am Rande: Stellen Sie sich einmal vor, in Deutschland würde Angela Merkel auf einen Postillon-Artikel reagieren.

Der Twitter-Wirbel reiht sich derweil nahtlos in den kuriosen US-Wahlkampf ein. Ob Trump sein Amt verteidigen kann oder Biden der Einzug ins Weiße Haus gelingt, ist 18 Tage vor der Wahl nach wie vor offen. Fest steht jedoch, dass es offensichtlich nicht langweilig wird. Es stehen ereignisreiche und spannende Tage bevor. Bei uns erfahren Sie alle wichtigen Infos zur 59. Präsidentschaftswahl. (as) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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