Urlaub in den Herbstferien

Keine pauschale Reisewarnung mehr - so steht es jetzt um Ihren Herbsturlaub

  • Kristina Köller
    vonKristina Köller
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Die pauschale Reisewarnung für fast alle 160 Staaten außerhalb der EU und des Schengen-Raums ist aufgehoben. An ihre Stelle werden Warnungen für einzelne Länder treten - wie auch in der EU. Mit Blick auf die Herbstferien haben Urlauber Probleme.

Berlin - Die pauschale Reisewarnung für fast alle gut 160 Länder außerhalb der EU und des Schengen-Raums ist am 30. September ausgelaufen. Jetzt soll es nach einem Beschluss des Bundeskabinetts Bewertungen geben, die auf die Lage in den einzelnen Staaten zugeschnitten sind.

Wer jetzt glaubt, dann wieder ungehindert reisen zu können, der irrt, wie wa.de* berichtet. An der Möglichkeit zu reisen, werde sich praktisch wohl wenig ändern, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bereits am 9. September, als der Beschluss bekannt wurde.

Pauschale Reisewarnung endet: Individuelles System für jedes Land - weiter Warnungen und Risikogebiete

Die Sprecherin den Auswärtigen Amtes erklärte die neue Regelung: „Ab Oktober kehren wir zu einem individuellen System für jedes Land zurück.“ Reisewarnungen für Länder mit Risikogebieten werde es weiter geben. Diese könnten auch aufgehoben werden, wenn es beispielsweise Quarantänebestimmungen gebe. Allerdings könne in einem solchen Fall dringend von Reisen abgeraten werden.

Eine Reisewarnung wird nur noch für die Länder ausgesprochen, die den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Das gilt derzeit für mehr als 130 Länder ganz oder teilweise. Für etwa 50 weitere Länder wird unabhängig von der Infektionslage von Reisen abgeraten. Der Grund: Dort gelten noch Einreisebeschränkungen oder eine Ausreisesperre in die EU. Zu dieser Staatengruppe gehört beispielsweise das beliebte Winterurlaubsland Thailand, wo es kaum Corona-Infektionen gibt, aber ausländische Touristen auch nicht einreisen dürfen.

Der Reiseverband DRV bezeichnete die Entscheidung zwar als „einen zaghaften Schritt in die richtige Richtung“. Faktisch ändere sich für die Kunden und die Branche aber nur wenig. „Es bleibt die Ungewissheit, wann wieder gereist werden kann und wann Unternehmer und Beschäftigte wieder etwas für ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Auch nach dem 1. Oktober werde für fast alle Länder weiterhin eine Reisewarnung bestehen.

Reisewarnung kein Verbot, aber abschreckend - Pauschalreisen kostenlos stornieren

Eine Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen für Pauschalreisen kostenlos zu stornieren. Die Reisewarnung erfolgt unabhängig von der Einstufung von Ländern als Risikogebiet.

Am 17. März hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen eine beispiellose Maßnahme verkündet: Eine Warnung vor touristischen Reisen in alle rund 200 Länder der Welt. Erst im Juni - unmittelbar vor Beginn der Haupturlaubszeit - wurden die Länder der Europäischen Union, des grenzkontrollfreien Schengen-Raums sowie Großbritannien, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat ausgenommen. Aktuell gelten innerhalb Europas allerdings trotzdem zahlreiche Reisewarnungen* - erst in der vergangenen Woche waren mehrere hinzugekommen.

Nicht immer sind es die Reisewarnungen selbst, die eine Reise so gut wie unmöglich machen. Wenn es in der Heimat viele Infizierte gibt, sind Reisende vielerorts nicht willkommen. So erging es einem Ehepaar aus dem aktuellen Corona-Hotspot Hamm* - ihre Rundreise durch Mecklenburg-Vorpommern endete plötzlich.

Reisewarnung nach individueller Bewertung je nach Corona-Lage

Norbert Fiebig, DRV-Präsident, forderte mit Blick auf die künftigen individuellen Bewertungen je nach Corona-Lage in den Ländern, nur Orte und Landkreise, die den Grenzwert des Robert Koch-Instituts (RKI) überschritten, sollten künftig als Risikogebiet ausgewiesen werden und dann auch mit einer Reisewarnung belegt werden - der Rest einer Region eines Landes jedoch nicht.

Die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres am Strand genießen? Wer das für die Herbstferien angepeilt hat, sollte sich die Optionen durch den Kopf gehen lassen, die Urlauber angesichts der Corona-Situation in Reiseländern haben.

Zugleich mahnte Fiebig, Urlauber dürften nicht mit Reiserückkehrern gleichgesetzt werden, die ihre Familien und Freunde in ihren Heimatländern besucht hätten. „Wie wir alle gelernt haben, ist die Ansteckungsgefahr bei Familienfeiern - egal ob in Deutschland oder im Ausland - mit am höchsten.“

Reisen in den Herbstferien: Antreten oder Absagen? Die Optionen im Überblick

Ganz praktisch gesehen stehen viele Menschen mit Blick auf die Herbstferien vor Problemen. Zwar werden viele Reisen in den Herbstferien an Ziele innerhalb Deutschlands führen - aber zahllose Menschen haben auch Auslandsreisen gebucht. Insbesondere sie stehen nun vor der Frage: Fahren oder nicht? Die Entscheidung muss immer persönlich abgewogen werden. Welche Möglichkeiten haben Reisende nun? Antworten in drei Szenarien. 

Risikogebiet und Reisewarnung: Den Urlaub trotzdem antreten

Szenario 1 - Urlaubsantritt trotz Risikogebiet und Reisewarnung: Das Domizil ist gebucht und bezahlt, der Reisewunsch ist unverändert: „Ich fahre, zur Not mit dem eigenen Auto“, wird sich mancher sagen. Neben dem Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, gibt es hier ein mögliches weiteres Problem: Die Auslandskrankenversicherung greift in der Regel nicht. Der Bund der Versicherten (BdV) weist ausdrücklich darauf hin, dass private Auslandskrankenversicherungen meistens nicht bezahlen, wenn für das Reiseziel eine Reisewarnung vorliegt. Nur wenige Anbieter bieten in diesem Fall weiterhin einen Schutz an.

Außerdem erfordert die Reise in ein Risikogebiet eine ganz andere zeitliche Planung: Reisende, die aus solchen Gebieten zurückkehren, müssen sich derzeit noch 48 Stunden vor oder nach der Einreise nach Deutschland auf Corona testen lassen und dann in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist - was mehrere Tage dauern kann.

Rückkehr aus Risikogebiet: Wer sich nicht zurückmeldet, muss mit Bußgeld rechnen

Von Mitte Oktober an gilt dann: Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben. Zudem sollen sich nach Deutschland einreisende Passagiere über ein Online-Portal anmelden. Wer das versäumt, dem drohen Bußgelder.

Und selbst wenn das Reiseziel nicht weit weg ist, kommen solche Probleme auf Urlauber zu - etwa in den Niederlanden, wo mehrere Provinzen als Riskikogebiete gelten*.

Reiseziel ist Risikogebiet: Rücktritt als Lösung?

Szenario 2 - Rücktritt von der Reise in ein Risikogebiet: Mancher wird sich auch sagen „Ich fahre nicht, obwohl alles gebucht ist“ und seine Herbstferienpläne damit beenden. Individualreisende sollten hier zunächst die für sie geltenden Umbuchungs- und Stornierungsoptionen prüfen. Bei Unterkünften können die Gebühren bei 80 bis 100 Prozent liegen, wenn der Gast kurzfristig absagt. Man verliert also im Zweifel das gesamte Geld. Im Vorteil ist, wer ein Angebot mit kostenlosem Storno bis kurz vor Reiseantritt gebucht hat. Dann lässt sich der Aufenthalt ohne Unkosten absagen.

Grundsätzlich gilt: Ist ein Hotel oder Ferienhaus erreichbar, dann bleibt der Gast auf etwaigen Kosten sitzen, wenn er zum Beispiel rein aus Angst vor dem Coronavirus seinen Aufenthalt absagt. Hier spielt es keine Rolle, ob das Reiseziel ein Risikogebiet ist.
„Erst mal lohnt es sich aber, direkt bei der Unterkunft anzurufen und zu fragen, ob sie überhaupt geöffnet hat“, rät die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi aus Berlin. „Denn ist ein Urlaubsort Risikogebiet, dann kommt oft der gesamte Tourismus zum Erliegen.“ Ist das Haus geöffnet, sollten Kunden nachfragen, ob nicht im Rahmen einer Kulanzregelung eine Umbuchung auf einen anderen Zeitpunkt möglich ist.

Reisewarnung für das Ziel: Flüge nicht immer zu stornieren

Ähnlich ist es mit Flügen: Findet ein individuell gebuchter Flug statt, so kann der Kunde nicht ohne entsprechende Stornogebühren vom Vertrag zurücktreten - sofern die Fluggesellschaft den Flug nicht von sich aus streicht. Viele Airlines bieten derzeit ihren Kunden allerdings auch großzügige, kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an.

Relevant könnten all diese Szenarien auch im Winter noch sein - etwa wenn es um Ski-Urlaub geht. Denn auch in Österreich sind Wien und zwei Bundesländer von Deutschland als Risikogebiete ausgewiesen worden*.

Wenn es eine Reisewarnung gibt, sind Pauschalreisende im Vorteil

Szenario 3 - Pauschalreisende sind im Vorteil: Pauschalurlauber haben bessere Karten. Für deutsche Reiseveranstalter ist eine Reisewarnung in der Regel bindend. Die Unternehmen sagen ihre Reisen dann meist ab, sobald eine Warnung vorliegt. Anzahlungen bekommen die Gäste in diesem Fall zurück, und Urlauber mit baldigem Reiseantritt können ihrerseits kostenlos den Reisevertrag kündigen.

Die Tui zum Beispiel hat allerdings angekündigt, trotz Reisewarnung wieder Reisen auf die Kanarischen Inseln anzubieten. Kunden können zwar auch hier kostenlos von ihrem Vertrag zurücktreten - nur müssen sie es nicht unbedingt, wenn sie doch gerne in den Urlaub wollen.

Und was gilt, wenn für ein Ziel im Ausland noch keine Reisewarnung vorliegt, ich als Pauschalreisender aber jetzt schon weiß, dass ich nicht los will? „Wer zu einer Risikogruppe gehört, kann den Veranstalter um eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt bitten“, schlägt Fischer-Volk vor. Die großen Veranstalter zeigen sich derzeit kulant bei den Umbuchungsoptionen. Ihre Reiserücktrittsversicherung können Urlauber im Fall einer Reisewarnung dagegen nicht nutzen: Solche Warnungen sind nach Angaben des Bunds der Versicherten nicht versichert.

Das Fazit: Es kann oft günstiger sein, den Auslandsurlaub zu verschieben, statt ihn ganz abzusagen und alles zu stornieren. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © dpa/Clara Margais

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