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Blatter: Jetzt will er über Technik diskutieren

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FIFA-Chef Sepp Blatter. © dpa

Johannesburg - Zwei Tage schwieg Joseph Blatter zu den Schiri-Pannen bei der WM. Jetzt reagierte der FIFA-Boss entschlossen. Noch im Juli sollen die Regelhüter des Fußballs über technische Hilfsmittel diskutieren.

Nach den skandalösen Pannen-Pfiffen bei der Fußball-WM hat FIFA-Boss Joseph Blatter das Schiedsrichter-Thema zur Chefsache erklärt und einschneidende Referee-Reformen noch in diesem Jahr angekündigt. Die Skepsis gegenüber technischen Hilfsmitteln für sichtlich überforderte Referees ist angesichts der dramatischen Fehlleistungen und enttäuschter Fans in aller Welt verflogen. “Das ist ein großes Thema. Die Zukunft des internationalen Fußballs ist mit der Kontrolle des Spiels verbunden“, sagte Blatter am Dienstag in Johannesburg. “Es wäre unsinnig, sich darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren.“

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

Keine zehn Tage nach dem WM-Finale von Johannesburg sollen die Fußball-Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) bei ihrem eigentlich für Finanzfragen angesetzten Treffen in Cardiff wieder über den Chip-Ball und andere mögliche Reformen debattieren. Bis zum Herbst will Blatter das ganze Schiedsrichter-Wesen auf den Prüfstand stellen. “Im Oktober, November werden wir ein neues Modell hervorbringen, mit dem das Spitzen-Schiedsrichterwesen verbessert wird“, sagte Blatter, nach den Fehlleistungen sichtlich um seine WM und seinen Sport besorgt.

Vor knapp vier Monaten hatte die FIFA-Linie noch ganz anders geklungen. “Die Frage war, sollen wir Technik im Fußball zulassen, und die Antwort war ganz klar: Nein! Die Technologie muss aus dem Spiel herausgehalten werden“, hatte Generalsekretär Jêrome Valcke nach der IFAB-Sitzung im März gesagt. Das Regelgremium, dem vier FIFA-Vertreter und je ein Mitglied der nationalen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland angehören, hatte alle technischen Hilfsmittel untersagt. “Wir können die Entscheidung nicht rückgängig machen, jetzt müssen wir nach vorne schauen“, sagte Blatter am Dienstag.

Bei den Verbänden Englands und Mexikos, die durch die Schiri- Fehler offensichtlich benachteiligt wurden, hat sich Blatter sogar persönlich entschuldigt. “Ich habe ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist“, erzählte der FIFA-Boss von seinem “Kniefall“. Die Sühne-Aktion des Präsidenten sei von den Teams gut aufgenommen worden. Materieller und emotionaler Schäden aber bleiben. “Es ist ein ökonomischer Aspekt und ein sozialer Aspekt. Deswegen ist das Schiedsrichter-Wesen so wichtig“, betonte Blatter.

Im Achtelfinale zwischen Deutschland und England (4:1) hatte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay ein klares Tor von Frank Lampard nicht gegeben, obwohl der Ball rund 40 Zentimeter hinter der Linie aufgesprungen war. In der Partie Argentinien gegen Mexiko (3:1) übersah Schiedsrichter Roberto Rosetti beim Führungstreffer der Südamerikaner eine klare Abseitsstellung des Torschützen Carlos Tevez. “Das waren keine Fünf-Sterne-Spiele der Schiedsrichter“, sagte Blatter.

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Ohne konkrete Aussagen wurde deutlich, dass Blatter einen Video-Beweis weiterhin ablehnt. “Schiedsrichter-Fehler kann man auch mit 100 Kameras nicht verhindern“, sagte er. Das im Tennis übliche Hawk-Eye sei für den Fußball nicht brauchbar. Der Chip-Ball, der dem Referee signalisert, dass das Spielgerät im Tor ist, dürfte hingegen wieder in Betracht gezogen werden. Blatter gilt auch als großer Befürworter von Profi-Schiedsrichtern. Auch dieses Thema dürfte bei den anstehenden Debatten auf der Tagesordnung stehen.

Bis zum Finale am 11. Juli betet Blatter geradezu, dass es keine weiteren Schiedsrichter-Aussetzer gibt, die seine ansonsten erstaunlich rundlaufende Afrika-Premieren-WM überschatten. Ein Kurswechsel im laufenden Turnier ist ohnehin unrealistisch. “Wir können nicht für zehn Spiele etwas ändern“, sagte der Schweizer. “Wir haben offensichtliche Fehler gesehen. Aber es ist nicht das Ende des Wettbewerbs und nicht das Ende des Fußballs“, sagte Blatter, “so etwas kann passieren.“

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