23. Spieltag

«Kein Aufgeben»: Schalke taumelt nach Wirbel um Gross heftig

VfB Stuttgart - FC Schalke 04
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S04-Trainer Christian Gross verfolgt das Spiel - am Ende heißt es aus Schalker Sicht 1:5.

Der FC Schalke 04 verliert deutlich mit 1:5 beim VfB Stuttgart. Die Hoffnung auf den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga wird immer geringer. Schon vor dem Anpfiff aber hatten Medienberichte für Wirbel um Trainer Christian Gross gesorgt.

Stuttgart (dpa) - Schalke-Trainer Christian Gross verschwand mit gesenktem Blick im Kabinengang. Nach dem Dementi einer angeblichen Spieler-Revolte gegen den Coach erlebte der FC Schalke 04 mit dem 1:5 (1:3) beim VfB Stuttgart das nächste Debakel.

Der Schweizer wirkte in Stuttgart angeschlagen. Einen Rücktritt aber schloss er vehement aus, und er bemühte sich trotz der Medienberichte, dass Führungsspieler des Tabellenletzten angeblich seine Ablösung gefordert haben sollen, darum, Haltung zu bewahren.

«Nein, nein», sagte Gross nach dem Abpfiff bei Sky auf die Frage, ob er hinwerfen würde: «Für mich gibt es kein Aufgeben.» Er räumte aber ein: «Ich denke, es gibt bessere Momente als dieser heute.» Und das liegt an dem Wirbel um seine Person - zusätzlich dazu, dass der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga immer näher rückt.

Nach den Gegentoren von Wataru Endo (10. Minute/26.), Sasa Kalajdzic (34.), Philipp Klement (88.) und Daniel Didavi (90.+2) schwinden die Hoffnungen auf ein Klassenverbleib-Wunder immer mehr. Fahrlässiges Verteidigen bei Standardsituationen führte zur 16. Saison-Niederlage, das Tor von Kapitän Sead Kolasinac (40.) war zu wenig. Nabil Bentaleb verpasste es mit einem verschossenen Elfmeter (72.), Schalke auf 2:3 heranzubringen und auf einen Punkt hoffen zu lassen.

Erst in den Schlussminuten erlösten die eingewechselten Klement und Didavi den VfB und sorgten für ein eigentlich zu hohes Ergebnis. «So fiel das sehr, sehr hart und deutlich aus», bilanzierte Gross, war aber mit dem kämpferischen Einsatz in der zweiten Hälfte zufrieden.

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo war dagegen mit dem Auftritt nach der Pause «sehr unzufrieden». Die Schwaben, selbst mit einem Machtkampf und einer Datenaffäre belastet, können sich aber sogar nach oben orientieren und zunehmend für eine weitere Saison in der ersten Liga planen. Schalke dagegen ist schon wieder acht Spiele ohne einen Erfolg. Neben Tasmania Berlin in der Saison 1965/66 (5) sind die Königsblauen mit neun Zählern erst das zweite Team in der Bundesliga-Geschichte mit weniger als 10 Punkten nach 23 Spielen. Dass keine Ruhe einkehrt, war aber schon vor dem Anpfiff klar.

Ein Clubsprecher wies Medienberichte vehement zurück, wonach Schalker Führungsspieler einen erneuten Trainerwechsel gefordert haben sollen. Sport1, die Funke-Mediengruppe und Sky hatten berichtet, dass sich Spieler über die Arbeit von Gross beschwert haben sollen und bei Sportchef Jochen Schneider dessen Ablösung gefordert haben sollen. Dies habe Schneider aber abgelehnt. Schalkes Lizenzspielerchef Sascha Riether ließ die genauen Inhalte von Gesprächen mit Spielern in dieser Woche offen. «Da wird von Revolution gesprochen, und Revolution war da überhaupt nicht», sagte er.

Gross ist bereits der vierte Schalke-Trainer in dieser Saison - eine Besserung aber deutet sich nicht an, auch wenn sich die Gäste in der zweiten Halbzeit wehrten. Er fühle sich nicht im Stich gelassen, beschwichtigte Gross: «Ich denke, dass, wenn Konflikte da sind, dass man sie selbstverständlich ansprechen muss, aber auf die richtige Art», sagte der Coach. Er könne das, was in den Medien steht, «nicht unbedingt nachvollziehen».

Mit verschränkten Armen aus seiner Coachingzone hatte der frühere VfB-Trainer gesehen, wie die Lücken im Strafraum bei Standards zu viel zu groß waren. Die ersten Bundesliga-Tore des Japaners Endo passten ins Bild der Schalker Saison. Völlig freistehend nutzte der Mittelfeldspieler nach einer Ecke von der rechten Seite des formstarken Borna Sosa die Schwäche der Gäste. Beim 2:0 übernahm Gonzalo Castro den Eckball von der linken Seite, wieder rutschte der Ball zu Endo durch, wieder war er ungedeckt. Per Videobeweis wurde überprüft, ob es eine Abseitsstellung gab, der Treffer zählte aber.

Und der VfB legte bei seiner zwischenzeitlichen Dominanz noch nach: Stürmer Kalajdzic nutzte seine Kopfballstärke und sein Verständnis mit Flankengeber Sosa - wieder war eine Ecke der Ausgangspunkt. Kolasinac sorgte dafür, dass die Schalker nicht komplett hoffnungslos in die Kabine gehen mussten. Und die Gäste waren in der zweiten Hälfte um den Anschlusstreffer bemüht, scheiterten wie beim Elfmeter aber an ihrem Unvermögen und am VfB-Torhüter Gregor Kobel. «Wenn wir so spielen und verteidigen wie heute, ist der Trainer die ärmste Sau», sagte Ersatztorhüter Michael Langer.

© dpa-infocom, dpa:210227-99-620110/4

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