1. webnachrichten
  2. Sport
  3. Fußball

Unmut bei Referee-Medientag: "Nicht in Nordkorea"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Der Uruguayer Jorge Larrionda musste nach seiner Fehlentcheidung getröstet werden © Getty

Johannesburg - Ein Maulkorb für die Referees, Plattitüden vom Obmann und ein Massenauflauf der Medien: Der Pressetag der WM-Unparteiischen in Pretoria geriet am Dienstag zur Farce.

Der Spanier Aranda, Leiter der FIFA- Schiedsrichter-Abteilung, bezeichnete die Leistungen seiner Spielleiter, die weltweit in die Kritik geraten sind, erneut als “exzellent“ und meinte: “Es gab nur vier, fünf Fehlentscheidungen in insgesamt 54 Spielen.“ Fragen zu Einführung von elektronischen Hilfsmitteln wollte er nicht beantworten: “Das ist Sache der FIFA und des International Football Association Boards.“

Der Uruguayer Jorge Larrionda, der beim Deutschlands-Sieg das “Wembley-Tor“ von Frank Lampard nicht gegeben hatte, sowie sein italienischer Kollege Roberto Rosetti, der beim Achtelfinalerfolg Argentiniens gegen Mexiko ein klares Abseitstor von Carlos Tevez anerkannte, waren “aus persönlichen Gründen“ (Aranda) erst gar nicht erschienen. Der ZDF-Experte und frühere FIFA-Unparteiische Urs Meier aus der Schweiz zeigte vor allem mit Larrionda Mitleid: “So etwas hat man die nächsten zehn Jahren immer vor Augen. Das ist, wie wenn man als Spieler im WM-Finale einen Elfmeter verschießt.“

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

Die Schiedsrichter waren kurz vor der Fragerunde auf dem Trainingsplatz offensichtlich noch einmal von den FIFA- Verantwortlichen auf deren Linie eingeschworen worden. So lauteten die stereotypen Aussagen zur möglichen Einführung des Chips im Ball, die FIFA-Präsident Joseph Blatter Stunden zuvor zum Thema gemacht hatte: Das sei eine Entscheidung des Weltverbandes und des IFAB. “Kein Kommentar. Das müssen andere entscheiden“, sagte auch Wolfgang Stark, der einzige deutsche Referee in Südafrika.

Der 40-Jährige aus Ergolding und seine Assistenten Mike Pickel (Mendig) und Jan-Hendrik Salver (Stuttgart) haben trotz des Viertelfinal-Einzugs der deutschen Mannschaften die Hoffnung auf einen vierten WM-Einsatz nicht aufgegeben. “Es gibt noch keine Informationen. Wir müssen abwarten, wie es weitergeht“, sagte Stark. “Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit unseren Spielen. Alles, was jetzt noch kommen sollte, wäre eine Zugabe.“ Das Trio hatte die Begegnungen Argentinien - Nigeria, Slowenien - England und Uruguay - Südkorea souverän gepfiffen. Am Mittwoch sollen die ersten der insgesamt 29 Schiedsrichter-Gespanne die Heimreise antreten.

Der englische Referee Howard Webb erzählte, dass Larrionda “extrem enttäuscht“ von seinem Fauxpas war. Der Mexikaner Rodriguez Morena hatte den Uruguayer mit folgenden Worten getröstet: “Das Leben geht weiter. Wir sind Profis.“ Nur der Brasilianer Carlos Simon zeigte seinen Frust über die Schiedsrichter-Diskussionen: “Ihr müsst mehr arbeiten und weniger reden“, herrschte er die Journalisten an. Die wiederum wollten sich die unverständliche Medienpolitik der FIFA nicht gefallen lassen. “Wir sind hier nicht in Nordkorea. Warum sagen Sie nicht einfach ihre Meinung“, sagte einer zu FIFA-Obmann Aranda.

dpa

Auch interessant

Kommentare