Alec Baldwin

Todes-Schuss auf Kamerafrau: Polizei veröffentlicht erste Zeugenaussagen - lief es so wirklich ab?

Nach dem tödlichen Schuss von Alec Baldwin auf die Kamerafrau Halyna Hutchins hat die Polizei jetzt erste Zeugenaussagen veröffentlicht.

Santa Fe - Die 42-jährige Kamerafrau Halyna Hutchins ist bei den Dreharbeiten zum Western „Rust“ erschossen worden. Der Schock nach dem tödlichen Unfall sitzt tief. US-Schauspieler Alec Baldwin feuerte den Schuss aus einer Requisitenwaffe ab. Das Projektil durchschlug die Brust der Kamerafrau Halyna Hutchins und verletzte den Regisseur Joel Suez (48) an der Schulter. Die Mutter eines kleinen Sohnes stirbt.

Alec Baldwin tödlicher Unfall - Polizei veröffentlicht erste Zeugenaussagen

Wie konnte es zu dem tödlichen Unfall auf dem Filmgelände in Santa Fe am vergangenen Donnerstag kommen? Was genau ist bei den Dreharbeiten auf der Bonanza Creek Ranch tatsächlich passiert? Seit Tagen gibt es verschiedene Spekulationen. Bei der Low-Budget-Produktion soll es eklatante Sicherheitsmängel gegeben haben. Die Film-Crew auch Halyna Hutchins habe zuvor wegen schlechter Arbeitsbedingungen protestiert. Zudem soll die zuständige Waffenmeisterin (24) unerfahren und überfordert gewesen sein. Zunehmend geriet der Regieassistent in den Fokus der polizeilichen Ermittlungen. Die Polizei veröffentlichte jetzt Details aus zwei Untersuchungsberichten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Im Vorfeld war schon der Notruf vom Filmset veröffentlicht* worden.

Alec Baldwin tödlicher Unfall bei Western-Dreh - Polizei veröffentlicht Zeugenaussagen

Demnach hatte ein Regieassistent Schauspieler Alec Baldwin bei der Übergabe der Pistole am vergangenen Donnerstag versichert, dass es sich um eine „kalte Waffe“ (cold gun) ohne Munition handele. Der Assistent habe nach eigener Aussage nicht gewusst, dass eine Patrone in der Waffe steckte, heißt es in dem am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht weiter.

Regisseur Joel Souza - Tödlicher Schuss von Alec Baldwin nach der Mittagspause

Der zweite Bericht zitiert Aussagen des bei dem Vorfall verletzten Regisseurs Joel Souza (48). Dieser sagte demnach, die Crew sei nach einer Mittagspause an das Set zurückgekehrt. Er selbst sei sich aber nicht sicher, ob dabei die Waffe erneut überprüft worden sei. Hollywood-Star Baldwin (63) habe dann in einer Kirchen-Szene auf einer Bank gesessen und mit der Waffe eine Szene geprobt.

Souza selbst habe Kamerafrau Hutchins (42) über die Schulter geschaut, um den Kamerawinkel zu prüfen. Dann habe er etwas gehört, das wie eine Peitsche und dann wie ein lauter Knall klang. Er erinnere sich vage daran, dass sie über Schmerzen im Bauch klagte, sich an den Leib gefasst, dann rückwärts getaumelt und zu Boden gegangen sei. Er selbst habe an der Schulter geblutet und konnte Blut auf Hutchins sehen.

Souza bestätigt zudem, dass am Donnerstagmorgen eine neue Kameracrew engagiert werden musste, weil ein davor eingesetztes Team die Produktion im Bundesstaat New Mexico verlassen hatte. Die Los Angeles Times hatte am Freitag berichtet, dass sich Mitarbeiter am Set über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen beschwert und aus Protest die Produktion verlassen haben sollen. Am Mittwoch will die Polizei bei einer Pressekonferenz über die Ermittlungen informieren, nannte aber noch keine Uhrzeit.

Baldwin erschießt aus Versehen Kamerafrau - Schwere Vorwürfe gegen Regieassistent

Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe gab, habe bereits bei einer früheren Produktion Sicherheitsstandards verletzt, hatte am Sonntag eine Technikerin für Spezialeffekte und Pyrotechnik dem Sender NBC gesagt. Sie hatte mit dem Assistenten demnach 2019 für die Reihe „Into the Dark“ beim Streaminganbieter Hulu gearbeitet. Das Produktionsteam dort erklärte, dass damals keine Beschwerden vorgebracht worden seien.

Die Polizei ermittelt auf dem Set des Western „Rust“ nach einem tödlichen Schuss mit einer Requisitenwaffe.

Die Produktionsfirma Rust Movie Productions wies die Vorwürfe zurück. Es seien keine offiziellen Beschwerden über die Sicherheit von Waffen oder Requisiten am Set bekannt gewesen, zitierte die New York Times aus einer Mitteilung. Die Dreharbeiten zu dem Low-Budget-Western, bei dem Baldwin auch als Produzent mitwirkte, hatten Anfang Oktober auf der Bonanza Creek Ranch begonnen und sind nach dem Unfall unterbrochen worden.

Als Konsequenz aus dem tödlichen Zwischenfall bei „Rust“ verbot der US-Sender ABC am Freitag mit sofortiger Wirkung scharfe Munition am Set für seine Serie „The Rookie“, wie das Filmmagazin The Hollywood Reporter berichtet. Bei früheren Dreharbeiten sei gelegentlich bei Szenen im Freien scharfe Munition verwendet worden, hieß es. (dpa/ml)

Rubriklistenbild: © Roberto E. Rosales/Albuquerque Journal via ZUMA/dpa

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