Zwei Impfungen empfohlen

Kinder-Impfungen ab fünf Jahren: EMA gibt Grünes Licht für Biontech-Impfstoff

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat an diesem Donnerstag über die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren entschieden. Wie sieht der Zeitplan aus?

Update vom 25. November, 12.51 Uhr: Die EMA hat grünes Licht gegeben für die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahren in Europa. Das teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Es wird der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen wird.

Für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren wird die Dosis von Comirnaty des Biontech/Pfizer Vakzins niedriger als bei Personen ab 12 Jahren sein, teilt die EMA via Twitter mit. Wie in den älteren Altersgruppen empfiehlt die EMA zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen.

Der Nutzen von Comirnaty bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren überwiege die Risiken, insbesondere bei Patienten mit Erkrankungen, die das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung erhöhen. Die EMA verweist auf Ergebnisse eine Hauptstudie mit fast 2.000 Kindern (siehe auch unten). Die Kinder erhielten entweder den Impfstoff oder ein Placebo. Von den 1.305 geimpften Kindern entwickelten drei Covid-19. In der Placebogruppe erkrankten 16 von 663 Kindern. Der Impfstoff in der Studie würde zu 90,7 Prozent bei der Vorbeugung einer symptomatischen Coronainfektion wirksam sein. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes bei Kindern und Erwachsenen werde weiterhin engmaschig überwacht, teilte die EMA weiter mit. 

Corona-Impfung für Kinder: Die häufigsten Nebenwirkungen bei Biontech/Pfizer

Die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren ähnelten denen bei Personen ab 12 Jahren:

  • Schmerzen an der Injektionsstelle
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle
  • Muskelschmerzen
  • Schüttelfrost

Wohl noch Donnerstag: EMA will über Zulassung von Biontech für Kinder ab fünf Jahren entscheiden

Erstmeldung vom 25. November 2021

Amsterdam - Ab wann können Kinder in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden? Viele Eltern warten angesichts der extremen Corona*-Lage auf ein grünes Licht von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Das könnte sich jetzt ändern.

Corona-Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren

Die EMA will an am Donnerstag (25. November) über die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahren entscheiden. Die zuständigen Experten haben gut zwei Monate lang die Daten zu Risiken und Effektivität des Impfstoffes bei Fünf- bis Elfjährigen geprüft und wollen nun die Bewertung abschließen. Der Antrag war übrigens am 15. Oktober eingereicht worden.

Wo gibt es schon Covid-Impfungen für Kinder?

In den USA wurden bereits mehr als zwei Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen Corona geimpft. Auch in Israel dürfen bereits Kinder mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft werden. In Österreich können Fünf- bis Elfjährige bereits „Off-Label“ die Corona-Impfung erhalten. Eltern müssen dafür einen Arzt finden, der ihren Nachwuchs gegen Corona impft. Wien prescht dabei vorn. In der vergangenen Woche wurde eigens eine Impfstraße für Kinder zwischen fünf und elf Jahren in einem Impfzentrum eingerichtet. Eltern müssen bei diesem sogenannten „Off-Lable-Use“ auf eigenes Risiko und individuellen Abwägungen für eine Impfung ihrer Kinder entscheiden. Eine Haftung der impfenden Ärzte ist bei der „Off Label“ Verwendung ausgeschlossen.

Wann kommt in Deutschland die Corona-Impfung für Kinder ab fünf?

Bisher ist der Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren in Europa zugelassen. Gibt die EMA grünes Licht, muss offiziell die EU-Kommission zustimmen. Das gilt aber als Formsache. Damit wäre der Weg frei für Kinderimpfungen in Deutschland. Allerdings ist wieder Geduld gefragt.

Hierzulande warten möglicherweise viele Ärztinnen und Ärzte auf eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Denn erst, wenn die Empfehlung der Stiko vorliegt, übernimmt der Bund die Kosten und die Haftung für die Covid-19-Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben. Dabei gehe um die Abwägung von Nutzen und möglichen „Restrisiken“ bei den Kindern in dieser Altersgruppe, erklärte Stiko Chef Thomas Mertens in der Schwäbischen Zeitung.

In einer Zulassungsstudie der Firma Biontech/Pfizer seien keine schwerwiegenden Impfreaktionen oder Nebenwirkungen dokumentiert worden, sagte Mertens (siehe unten). Die Wirksamkeit des Impfstoffs entspreche bei den Kindern nach einer relativ kurzen Beobachtungszeit zudem etwa der bei den Erwachsenen. Zahlen aus den aktuellen Studien reichten aber nicht aus, um seltene Nebenwirkungen auszuschließen. Man müsse die Ergebnisse früherer Studien und Anwendungsdaten einbeziehen. Man bereite die Entscheidung über eine Empfehlung vor, sagte Mertens, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Gibt es schon Corona-Impfstoff für Kinder in Deutschland?

In Deutschland würden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst ab dem 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Vakzins für Kinder zur Verfügung stehen.

Bayern bereitet sich gemeinsam mit der Ärzteschaft und den Impfzentren auf die Impfung von Kindern ab fünf Jahren vor. Darauf wies Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Mittwochabend in Berlin hin. „Wir sind hier in enger Absprache mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die uns dabei unterstützen werden“, teilte der CSU-Minister mit. Er halte es „für eine positive und wichtige Entwicklung, wenn der Impfstoff künftig auch für Kinder unter 12 Jahren eingesetzt werden könnte.“

Was spricht für das Impfen von Kindern ab fünf?

Die Impfung mit dem mRNA-Impfstoff für Kinder zwischen fünf und elf Jahren ist laut einer zulassungsrelevanten Studie, erschienen im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“, gut verträglich, immunogen und wirksam. Auch eine Schutzwirkung gegen klinische Covid-19-Erkrankungen nachweisbar, berichtet das Ärzteblatt online. Eine Impfung schütze Kinder vor einem - wenn auch seltenen - schweren Verlauf oder Spätfolgen einer Covid-Erkrankung.

Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung mit Biontech

Die häufigsten Nebenwirkungen einer Corona-Impfung mit Biontech waren laut der Studie Schmerzen an der Impfstelle. An 81 Zentren in den USA, Spanien, Finnland und Polen wurden 2.285 Kinder im Abstand von 21 Tagen zwei Impfdosen oder Placebo verabreicht.

  • Schmerzen an der Einstichstelle 71 bis 74 Prozent der geimpften Kinder.
  • Rötungen an der Impfstelle 15 bis 19 Prozent
  • Schwellungen an der Impfstelle 10 bis 15 Prozent
  • Fieber bei 3 bis 7 Prozent
  • Schüttelfrost 5 bis 10 Prozent
  • Schwellung der Lymphknoten 0,9 Prozent
  • Bei vier Kindern sei es zu Hautausschlägen an Arm, Rumpf, Gesicht und Körper gekommen. Sie waren mild und traten etwa sieben Tage nach der Impfung auf.

Es wurden kein einziger Fall eines multisystemischen Entzündungssyndroms (MIS-C) gemeldet, das bisher nur nach Infektionen aufgetreten ist. Weder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) noch eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) wurden beobachtet. Das sei jedoch angesichts der geringen Teilnehmerzahl zu erwarten gewesen, schreibt das Ärzteblatt. Eine Myokarditis und eine Perikarditis gelten als seltene Impfkomplikationen. (ml/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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