Antikörper im Knochenmark

Lebenslang immun nach Corona-Infektion? Neue Studie zu Genesenen verblüfft - doch eine Bedingung gibt es

Ist man geschützt, wenn man einmal mit Corona infiziert war? Bisher war das noch nicht gesichert. Eine neue Studie lässt Genesene hoffen.

St. Louis / München - Nur nicht infizieren! Das war für viele beim Thema Corona in Deutschland* und auf der ganzen Welt in den letzten Monaten das Allerwichtigste. Eine Corona*-Infektion kann schlimme Folgen haben, im schlimmsten Fall tödliche. Doch nun gibt es für diejenigen, die genesen sind, einen großen Lichtblick: Einer neuesten Studie zufolge können sie sich ihr Leben lang nie mehr mit Covid-19 anstecken*.

Bei mildem Corona-Verlauf: Lebenslanger Virus-Schutz laut Forschern wahrscheinlich

So gehen Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) davon aus, dass der körpereigene Schutz gegen das Virus ein Leben lang hält, wenn man ihn einmal überstanden hat. Einzige Bedingung: Es muss ein milder Verlauf gewesen sein.

Die im Fachmagazin Nature publizierte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Patienten mit milden Corona-Verläufen fast ein Jahr später noch Antikörper besäßen. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass dieses Schutzschild ein Leben lang hält. Die Immunzellen, die die Antikörper bilden, würden zwar weniger werden, aber nie ganz verschwinden.

Coronavirus: Antikörper verschwinden nicht nach Infektion

„Es ist normal, dass die Antikörper nach einer akuten Infektion sinken, aber sie sinken nicht auf null, sie erreichen ein Plateau“, erklärt Professor Ali Ellebedy, einer der Autoren und Professor für Pathologie, Immunologie und molekulare Mikrobiologie. Die Forscher entnahmen Blut und Knochenmark von insgesamt 77 genesenen Patienten, die leichte Corona-Verläufe aufwiesen.

Das Ergebnis verblüfft: Auch elf Monate später waren die Antikörper im Blut nachweisbar. Auch im Knochenmark waren diese vorhanden. „Sie teilen sich nicht. Sie befinden sich im Ruhezustand, sitzen nur im Knochenmark und produzieren Antikörper. Das tun sie, seit die Infektion abgeklungen ist, und das werden sie auf unbestimmte Zeit weiter tun“, so Ellebedy.

Wie ist es aber bei Menschen mit schweren Corona-Verläufen? Diese könnten laut den Forschern geringeren Schutz haben. „Entzündungen spielen eine große Rolle bei schweren Covid-19-Verläufen, und zu viel Entzündung kann zu fehlerhaften Immunantworten führen“, erklärt Jackson Turner, Dozent für Pathologie und Immunologie. Doch er sagt auch: Manche Menschen werden wirklich krank, weil sie viele Viren im Körper haben, was zu einer guten Immunantwort führe.

Um sicher zu sein, müsse ihre Studie mit Patienten mit mittelschweren und starken Verläufen wiederholt werden, so das Forscherteam. Die gleiche drängende Frage stellt sich bei Geimpften - haben auch sie lebenslangen Schutz? Auch dieser Frage wollen die Wissenschaftler in einer weiteren Studie auf den Grund gehen. - *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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