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Folgen einer Corona-Infektionen: Auch Gehör kann laut Studien betroffen sein

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Von: Markus Hofstetter

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Eine Covid-19-Erkrankung kann einen Vielzahl von Langzeitfolgen nach sich ziehen. Unterschiedliche Studien lassen darauf schließen, dass auch das Gehör betroffen sein kann.

München - Eine Infektion mit dem Coronavirus kann eine Vielzahl von körperlichen Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Eine Studie nennt 55 Folgeschäden, von denen Müdigkeit und Kopfschmerzen die häufigsten sind. Aber auch das Gehör kann in Mitleidenschaft gezogen werden, die Symptome reichen von Tinnitus bis zum totalen Gehörlust.

Folge einer Covid-19-Infektionen: Tinnitus und Hörverlust möglich

Britische Hals-Nasen-Ohren-Ärzte haben bereits im Oktober 2020 in einem Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) einen 45-jährigen Patienten beschrieben, der infolge von Covid-19 einen plötzlichen und anhaltenden Hörverlust hatte. Vorausgegangen war ein Tinnitus, der im Lauf der Behandlung im Krankenhaus auftrat.

Eine HNO-Untersuchung ergab, dass weder Entzündungen noch andere mögliche Ursachen den Hörverlust ausgelöst haben. Deswegen vermuten die Ärzte einen direkten Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Infektion. Das erscheint plausibel, da das Coronavirus auch Epithelzellen im Mittelohr befallen könnte, wie kürzlich nachgewiesen wurde. Der betroffene Patient erhielt Steroid-Tabletten und -Injektionen, worauf das Hörvermögen teilweise zurückkam.

Frau mit Tinnitus
Eine der Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung kann Tinnitus sein. © Science Photo Library/imago

Folgen einer Corona-Erkrankung für das Gehör: Offenbar hauptsächlich Männer betroffen

Nun steigt die Zahl der Fallberichte von Corona-Patienten, deren Hörvermögen beeinträchtigt ist. Das zeigt eine Metastudie von Kevin Munro, Experte für Audiologie von der Universität Manchester, und seinem Kollegen Ibrahim Almufarrij. Darin fassen die beiden Forscher die Daten von insgesamt 56 Untersuchungen, in denen eine Auftreten von Hörstörungen im Zuge einer Corona-Infektion beschrieben wurde, zusammen.

Das Ergebnis veröffentlichten Munro und Almufarrij in der Fachzeitschrift „International Journal of Audiology“. Demnach berichten im Schnitt 14,8 Prozent Covid-19-Patienten über Tinnitus, 7,6 Prozent über einen Hörverlust und 7,2 Prozent über Schwindelgefühl. Die Hörstörungen traten sowohl bei Patienten mit milden als auch mit schweren Verläufen auf. Betroffen waren dabei vor allem Männer.

Den Forschern zufolge lässt das Ergebnis darauf schließen, dass Covid-19 die Ohren und das Hörsystem beeinträchtigen kann. Die Ursachen sind allerdings noch nicht abschließend erforscht, infrage kommen das Virus selbst, Durchblutungsstörungen oder das Immunsystem.

Höherer Stresslevel durch Corona-Pandemie: Bestehender Tinnitus kann verschlimmert werden

Ein internationales Team mit Forschern aus England, Belgien, den USA, den Niederlanden, Schweden und Indien hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich eine Infektion mit Coronaviren auf Menschen mit Tinnitus auswirkt. Für ihre Studie werteten sie die Daten von 3103 Tinnitus-Patienten aus 48 Ländern aus. 40 Prozent derjenigen, die unter Covid-19-Symptomen litten, gaben an, dass sich auch deren Tinnitus verschlimmert hatte. Sieben Personen hatten zudem den Verdacht, dass der Tinnitus erst durch Corona ausgelöst wurde. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass da ein Verbindung besteht, die näher untersucht werden sollte.

Auch eine deutsche Studie belegt einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Tinnitus. Forscher des Tinnituszentrums der Universität Regenburg gehen davon aus, dass ein erhöhter Stresslevel ausgelöst durch die Coronavirus-Pandemie Ursache für die Zunahme der Beschwerden von Tinnitus-Patienten sein kann. Dauerstress gilt als Tinnitus-Trigger, der diesen verstärken oder sogar auslösen kann. Andererseits zeigen Personen, die im Zusammenhang mit der Corona-Krise entspannter waren, eine geringere Belastung durch den Tinnitus.  

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